Posterous theme by Cory Watilo

Hot Pot till you die!

Gestern Abend gab es eine famose eat till you die Hot Pot Session. Unsere Studis haben uns zum Essen eingeladen und es gab alles was das Herz begehrt: Rind, Schwein, Lamm, Shrimps, Muscheln, Lobster, Pilze, Gemüse. Das alles konnte man dann nach belieben in zwei verschiedenen Chinese Medicine Suppen köcheln lassen. Zum Nachtisch gabs dann noch Mövenpick Eis und Eis am Stiel. Danach mussten wir uns nach Hause rollen, war echt sehr lecker!!!

Und langsam wochs ma zam

Die letzten 2 Wochen sind ja wieder wie im Flug vergangen, und der taiwanesische Alltag hat uns fest im Griff! In der Plastischen Chirurgie tut sich nun nicht mehr so viel, die meisten OPs kennt Tobi nun schon, und wenn es nichts Neues gibt verzieht er sich gelegentlich etwas früher. Montags und Mittwochs sind willkommene Ausnahmen, da dann „The Living Legend“ aka. Fu Chan Wei seine Teaching Classes im OP hält. Da werden dann 2-3 interessante Fälle besprochen bevor sie direkt im Anschluß auf dem Tisch landen. Gelegentlich stehen dann um die 15 Leute (exkl. Schwestern und Anästhesie wohlgemerkt) im OP rum und lauschen/schauen gebannt. Alles wird ausführlich auf Englisch erläutert und Prof. Wei ist auch immer für Smalltalk zu haben. Am Montag war eine ca. 15h OP, bei der ein größerer Defekt (Tumorentfernung) mit zwei freien Lappen und einem Stück des Wadenbeins saniert wurde. Ein spektakulärer Fall, der selbst die Augen des Oiden Hasen zum leuchten bringt ;) Es ist übrigens auch für Vicki spannender geworden. Nicht nur, daß wir zusammen in Tobis Zimmer wohnen und sie ihre „Susi“ kaum mehr zu Gesicht bekommt, ist auch Schwung in den Klinikalltag gekommen, Da der unfreundliche Arzt am Mo sich netterweise den restlichen September freigenommen hat, und sie sich den frustrierenden Donnerstag-Arzt spart, konzentriert sich die Famulatur auf kompakte 3 Tage, die dafür dank cooler Ärzte und netter Studenten immer zum lehrreichen Erlebnis werden. Da ist einerseits Dr. Chen, der sie letzten Dienstag und heute prompt genadelt hat (1 Stunde auf den Bus zu warten und von der Air Condition abgeblasen zu werden=Kehlkopfentzündung), er legt besonders Wert auf Puls- und Zungendiagnostik, dann Dr. Huang am Mittwoch, der sich immer freut, Europäer zu sehen, weil er dort regelmäßig Vorträge hält (er versucht mit chinesischen Kräutern dem Husten zu Leibe zu rücken), und Dr. Lee am Freitag, der uns eigentlich lieber Kung Fu lehrt als Akupunktur. Doch das alles wäre nur halb so interessant, wenn da nicht die lieben Kollegen wären, die in der zweiten Woche so richtig aufgetaut sind und laufend übersetzen, sei es aus dem Gedächtnis oder mit Hilfe eines Smartphones. Sie versorgen die Kranke übrigens mit westlicher Medizin - leider hilft wie immer weder das eine, noch das andere, und so waren die letzten 6 Nächte alles andere als erholsam... Unter den Kollegen sind besonders Vivian und Jerry zu Freunden geworden, die uns beide auch voriges Wochenende auf einen Ausflug eingeladen haben. Anfangs zu 4. wuchs unsere Gruppe auf 8 Leute und einen Hund an, und so marschierten wir erst zusammen durch die ehemalige Goldminenstadt Jinguashi, wo wir einen 10 Millionen Euro teuren Goldbarren angreifen konnten, bevor wir uns durch die schmalen Gassen von Juifen zwängten, wo wir einheimische Köstlichkeiten kredenzt bekamen: Haifischbällchensuppe, Mochi (sticky rice in dem Fall gefüllt mit Erdbeereis, lecker!) und Stärkebällchen auf geschreddertem Eis mit roten Bohnen. Derart gestärkt wanderten wir zum Shiufen Wasserfall, wo eine geschätzte Million an Photos geschossen wurde. Dann fing es leider zu regnen an, was uns aber nicht davon abhielt, in Pinxi noch eine orangene Papierlaterne mit Wünschen zu beschriften und per Feuerantrieb in den dunklen Abendhimmel steigen zu lassen, bevor der Tag in einem Californischen Restaurant in Taipei augeklungen wurde. Auch das Nachtleben haben wir nun schon zur Genüge ausgekostet und waren in den angesagtesten Clubs Taipeis am Cocktail trinken und abshaken. Spark, Barcode, Room 18 und wie sie alle heißen..... Fragt lieber nicht, mit wie viel so ein Abend zu Buche schlägt! Da kostet der Eintritt oft schon mal rund 20 Euro, dafür hat man 1-2 Drinks inklusive, gespielt wird vor allem elektronische Musik. Rund um das ehemals höchste Gebäude der Welt hat sich eine stylishe Szene entwickelt, nur sind das zum größten Teil Clubs, die man halt mal sehen muß, aber die wir zuhause auch nicht unbedingt besuchen würden. Aber wir haben unsere Zeit nicht nur rund um den 101 verbracht, wir haben uns auch endlich mit dem schnellsten Aufzug der Welt mit 60km/h ins 88 Stockwerk katapultieren lassen und die Aussicht auf Taipei genossen. Fast der schönere Spot war aber der „Elephantenberg“, vor dem sich die ganze Stadt ausbreitet, 101 natürlich inklusive! Was haben wir noch auf unserer to do Liste abgehakt? Ach ja, da vorige Woche der Herbst in Taipei/Linkou eingekehrt ist, und es statt 27 nur mehr klirrend kalte 23 Grad gehabt hat (mittlerweile hat es gottseidank wieder 27) haben wir uns endlich zu den berühmten Hot Springs in Beitou aufgemacht und uns ein Bad bei rund 40 Grad Wassertemperatur gegönnt. Das war wirklich angenehm! Ein tragischer Ausfall ist auch noch zu beklagen, nach dem Fotoshooting in den Hotsprings hat Tobi das Kameraglück verlassen, und das gute Stück ist auf den Boden gefallen (natürlich rechtzeitig VOR dem Besuch am 101 oder „ü-ling-ü“, wie die Einheimischen sagen würden). Die Kamera an sich hat ganz gut überlebt, aber das Objektiv hat jetzt leider einen Knick in der Optik :( Damn. Das war wohl die Strafe dafür, dass er die letzte Woche überlegt hatte, es durch ein neues zu ersetzen. Naja, die Pläne sind jetzt erstmal auf Eis gelegt. Das Gute daran ist nur, dass er gezwungen ist, mit seinem 35mm Festbrennweiten-Objektiv warm zu werden (O-Ton Vicki: Das hat ja GAR KEINEN Zoom?!?!). Aber es macht knackscharfe Bilder, bietet noch einige andere tolle Features und hilft Tobi über den Verlust hinweg. Auf privater Ebene gab es den Besuch vom weltreisenden Nils zu vermelden, den wir auf unseren Streifzügen im Schlepptau hatten (u.a. konnte mit ihm nun ENDLICH der 101 erklommen werden, um das centennial Entschleuniger Treffen zu eröffnen!). Der hat sich nun schon Richtung Osten abgesetzt und berichtet von auflauernden Riesenspinnen, die uns irgendwie bekannt vor kommen... Am Samstag wollten wir dann ja unsere „Kleinen“ (die Studenten, die uns vom Flughafen abgeholt haben und uns hier betreuen sollen) dazu überreden, in eine KTV Bar (=Karaoke) zu gehen, aber leider sind die Lieder fast nur auf chinesisch, und so sind wir zusammen am Raohe Night Market gelandet. Der aufmerksame Blogleser weiß, daß wir hier schon die ersten Abende in Taipei verbracht haben... Nach all den Nachtmärkten, die wir nach 2 Monaten schon gesehen haben, ist das aber noch immer unser Favorit! Am Sonntag sind wir spontan an die Nordküste nach Yuehli gefahren und haben uns die bizarren Fels- und Sandformationen angeschaut. Berühmt ist hier vor allem ein Felsen, der wie Nofretetes Kopf aussieht, vor dem sich natürlich eine riesen Schlange photowütiger Touristen bildet... Nachdem einige Top-Sights bis jetzt ja nicht wirklich sooo toll waren, hat uns Yuehli wirklich positiv überrascht! Jetzt haben wir schön langsam wirklich fast alle Sehenswürdigkeiten in und um Taipei gesehen, und doch ist es immer wieder auf's Neue reizvoll, durch durch Gassen dieser Millionenstadt zu schlendern, in der wir eine schöne Heimat auf Zeit gefunden haben. Leckeres Coldstone-Eis, Dumplings, 24h offene Convenient-Stores, der Sushi Express, die elendslange Schlange vor dem Bus nach Linkou, Mr. Brown Coffe mit Wlan, Stinky Tofu Geruch auf der Straße, Whisky-Cola am Balkon und aus aktuellem Anlaß natürlich noch zu erwähnen die lustige Altherren und -frauen Putztruppe, die 3x/Wo mit einem „Sorry sorry“ erscheint, um alles zu tun außer zu putzen... Unvorstellbar, daß das bald vorbei sein soll!

Klinikalltag von Anfang an ...

Wow, lange her unser letzter Post!
Beginnen wir einfach nochmal mit dem Einzug: Einen Tag vor Beginn der Famulatur durften wir dann tatsächlich unsere Dorms beziehen und verbrachten den Rest des Tages auch gleich mal damit zumindest die oberste Schicht Schmand aus den Schränken und von den Tischen/Stühlen zu wischen. Den Angaben der Rezeptionisten und dem "Zugemülltheitsgrad" des Zimmers nach hatte Tobi noch einen Mitbewohner zu erwarten, während Vicki davon verschont bleiben sollte. Tags darauf bekam Vicki aber eine waschechte Chinesin aufs Auge gedrückt, mit allem drum und dran (China-Reisende wissen was gemeint ist, alle anderen sollten sich selber ein Bild machen, wir sind ja keine Spielverderber). Tobis Mitbewohner sollte aber nie in Erscheinung treten (bis jetzt) weswegen die rabiate Entmüllungsaktion zu Beginn auch keinen Leidtragenden hatte.

Tags darauf, Donnerstags, ging es dann tatsächlich los. Wie bei jeder Famulatur üblich beginnt diese mit einer freundlichen Begrüßung und einer genauen Erklärung der Örtlichkeiten. Die Begrüßung beschränkte sich bei Tobi auf ein: "From Germany!? Welcome!" (bei Vicki war es schwieriger: "Ah, from Australia!" "No, from Austria, Aodili!" ) während die Erkundung der Örtlichkeiten für Tobi die Hauptaufgabe der nächsten Woche wurde. Am Nachmittag verabschiedete man sich mit einem durchaus netten:"Bis Morgen!", wo, blieb aber ein Geheimnis. So durfte Tobi dann immer hinterhertelefonieren und wenn er dann am Ort des Geschehens ankam hieß es: "Da waren wie vor 5 min, wir sind jetzt...". Und endlich gefunden, wurden noch 2 Pat visitiert und dann hieß es wieder:"Bis Morgen". Die anderen Tage wurde dann aber bis ultimo operiert! Mittlerweile kennen wir aber Finten und Schlupflöcher und können uns ab und an auf das Wesentliche konzentrieren.

Die Plastische Chirurgie von Linkou ist DIE Plastische Chirurgie überhaupt und weltberühmt für ihre Mikrochirurgie. So kann man hier eine enorme Anzahl an teils sehr ausgefallenen Fällen sehen. Auf der einen Hauptebene gibts es ~80 OP Säle und in 5 - 7 werden ausschließlich plastische Fälle behandelt. Ärzte aus allen Teilen der Welt kommen hier her, um einige Zeit zu arbeiten und von den "Living Legends" zu lernen. Die sprechen meist sehr gut Englisch (auch einige Amis, bzw. Taiwanesen die in die US ausgewandert sind), was dem Verständnis der Erklärungen zugute kommt. Einen Deutschen haben wir am Freitag auch schon verabschiedet und konnten bei der Gelegenheit einige internationale Kontakte knüpfen und endlich mit Know How in das Nachtleben von Taipei eintauchen. So ließen wir die Arbeitswoche in einem Schicki-Micki Ambiente an der Poolbar eines Luxushotels mit Ausblick auf die Stadt mondän ausklingen.

Jetzt hoffen wir, dass wir das positive Ende der Woche in die neue Woche mitnehmen können und es spannend bleibt bzw für Vicki noch spannender wird - sie hat zwar keine Schwierigkeiten, die Räumlichkeiten zu finden, da sie nur in der Akupunkturklinik ist (nachdem es anfangs geheißen hatte, sie müsse täglich mit dem Bus in ein nahegelegenes Spital fahren), dafür ist der Lerneffekt dort ziemlich niedrig. An nur 2 Tagen die Woche gibt es eine teaching class, wo etwas erklärt und von ein paar netten Studenten dankenswerterweise übersetzt wird, die anderen Tage wird wie am Fließband genadelt, für Ausbildung ist keine Zeit. Da fühlt man sich glatt wie zuhause! Auch die Studenten können nicht erklären, weshalb die Behandlung so gewählt wird, wie der jeweilige Arzt es es macht - by the way jeder hat eine andere Art, was es für einen Anfänger natürlich erst Recht unmöglich macht zu folgen. Das Patientengut erstreckt sich hier von Rückenschmerz über Schlaganfall zu Tinnitus und allergischem Schnupfen, jung und alt kommt hierher, um sich geduldig je nach Arzt 2 bis 40 Nadeln stechen zu lassen und wenn er es gut trifft, auch eine kleine Massage zu bekommen. Morgen gibt es nach der Ambulanz eine kleine Privataudienz mit dem einzigen Doktor, der relativ gut Englisch spricht und auch regelmäßig Vorträge in Europa hält.

Das Wochenende war ürigens diesmal dank des Mid Autumn aka Moon Festivals ein verlängertes, das wir zu ausgiebigen Erkundungstouren in und um Taipei nutzten. In nur einer halben Stunde ist man zb vom Stadtzentrum mit der U Bahn oder dem Bus am Meer in kleinen oder großen Hafenstädten, die wieder - wie könnte es anders sein - eine Menge an Essen, Essen, Essen und Tempeln zu bieten haben.

Nach einem kleinen Sundowner am Balkon geht es jetzt noch ab nach Taipei City zum größten Nightmarket Taiwans vielleicht ein wenig Nippes für die Hinterbliebenen zu erhaschen ;)


PS: da das technisch hochentwickelte Taiwan seinen Ärzten leider nur Internetzugang 2. Klasse bietet, muß der heutige Post leider ohne Bilder auskommen